Das Märchen von den Anfängerhunden

Sich fast von selbst erziehende und anspruchslose Rassehunde werden gerne als Anfängerhunde betitelt. Und immer sind sie besonders gut für Familien geeignet. Einige behaupten sogar, erzieherische Arbeit erledige sich bei Anfängerhunden von alleine.

Aber ich glaube nicht, dass es DIE Anfängerhunderasse gibt. Gerade Golden Retriever oder  der Labrador werden ja gerne als Anfänger- und Familienhunde betitelt. Aber das es sich bei diesen Hunden eigentlich um Jagdhunde handelt, der entsprechend erzogen werden muss, wissen die wenigsten. Oder wollen es wahr haben.

Dies trifft übrigens auch auf die niedlichen Jack Russell zu.  Sie sind zwar klein, aber das machen sie mit einer gehörigen Portion Mut und unerschrockenheit wet. Müssen sie auch, schließlich wurden sie zur Kaninchen und Fuchsjagd gezüchtet. Mit ihren kleinen, wendigen Körpern konnten sie in nahezu jeden Bau kriechen und die Bewohner raus scheuchen.

Auch Cocker Spaniel gehören zu den Jagdhunden. Sie lieben es, zu stöbern. Auch sie müssen erzogen werden, damit sie nicht ihr eigenes Ding auf Spaziergängen durchziehen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Cocker Spaniel sich sehr gut selbst beschäftigen können wenn sich niemand mit ihnen beschäftigt. Auf Spaziergängen Fluch und Segen zugleich.

Es gibt also meiner Meinung nach nicht den perfekten Familienhund oder eine “selbsterziehende Hunderasse”. Ganz im Gegenteil. Wenn man Pech hat, kann man einen jagenden Golden Retriever kriegen, der Kinder und fremde Menschen total doof findet. Aus die Maus mit Familienhund. Dagegen kann man aber auch einen total lieben Schäferhund haben, der super in eine Familie passt und richtig entspannt mit Kindern ist und eine hohe Reizschwelle hat.

Es kommt also nicht (nur) auf die Rasse an. Ich bin der Meinung, dass die Auswahl des richtigen Züchters, eine ausgewogene und behutsame Prägung in den ersten Lebenswochen sowie die richtige Welpenerziehung mindestens genauso viel ausmacht, wie die Rasse Entscheidung.

Es reicht also nicht aus, sich nur eine Rasse auszusuchen, die für Familien geeigneter ist als andere. Nein, man muss sie trotzdem in die gewünschte Richtung erziehen. Von alleine wird das nichts. Das sehe ich leider auch in meinem Umfeld. Gut gemeint ist nicht automatisch auch gut gemacht.

Das ist übrigens auch der Grund, warum ich niemals einen Hund aus dem Ausland nehmen würde, wenn ich einen unkomplizierten Familienhund suche. Man kann Glück haben, man kann aber auch eine lebende Handgranate bekommen. Und wenn letzteres ein persönliches Desaster wäre, und der importierte Hund dann wieder zurück müsste, wäre das alles andere als Fair. Glaubt mir, aus Dankbarkeit fügt sich kein Hund nahtlos in die Familie ein. Ich weiß wovon ich spreche, Skadi ist nämlich auch nicht dankbarer als Inuki :D

Ähnliche Beiträge:

3 Kommentare

  1. Ich kann den Beitrag so gut unterschreiben – nicht jeder Hund hat seine Rassebeschreibung gelesen und entwickelt sich so, wie wir es gerne hätten. Ich kenne wasserscheue Neufundländer, beim Essen ausgesprochen schwierige Labradore und sogar einen Bernhardiner mit ausgesprochenem Jagdtrieb ;)
    Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter und muss auch so behandelt und erzogen werden – bei dem einen ist das leichter, beim anderen schwerer.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

  2. Ich teile Deine Meinung, wobei es schon Rassen gibt, die generell nicht in Anfängerhände kommen sollten. Aber es wirklich eine ganz individuelle Sache.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  3. Volltreffer, ich als Besitzerin eines “Anfänger” Labradores würde sagen, es kommt auf den Anfänger an. Wenn man mit rosa Brille erwartet, dass der Labbi aufgrund des Will-to-please einfach ist…der kann sich tierisch schneiden. Aaron zeichnet vor allem ein Dickschädel, Dominanz und früher ein großer Durchzug zwischen den beiden Ohren aus.
    Da hätte so mancher Anfänger die Flinte ins Korn geworfen, bzw. sich einen A…lochhund herangezogen. Ich hatte zum Glück von Anfang an eine tolle Hundeschule, die mir an der richtigen Stelle Infos und Unterstützung gegeben haben.
    Der perfekte Anfängerhund ist einfach der Hund über den man sich bei Anschaffung mehr Gedanken als nur “Wo stelle ich den Hundekorb hin?” “Und wie oft muss ich ihn impfen” gemacht hat. Einfach informieren, schauen was zu einem passt und dann berücksichtigen, dass abgesehen von der Rasse jeder Hund einen individuellen Charakter und Neigungen hat.
    liebe Grüße
    Sandra mit Aaron

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.